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"Land in Sicht?" (AT)

Dokumentarfilm über die Entwicklung der Agrarstruktur in Ostdeutschland seit 1990
(in Produktion)

Dieser Film zieht am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns nach 20 Jahren eine Bilanz der Entwicklung der Agrarstruktur in den neuen Bundesländern. Er blickt außerdem auf die damit verbundenen sozial-ökonomischen Entwicklungen im ländlichen Raum. Und er versucht Antworten auf die Frage zu finden, wo es hingehen kann und soll mit der Agrarpolitik in Deutschland und Europa.
 

„Blühende Landschaften“ war der Name der größten Schweinemastanlage in der ehemaligen DDR. Die Stallanlagen in Alt Tellin im Peenetal liegen heute brach. Geht es nach dem Willen von Landwirtschaftsminister Till Backhaus, soll das nicht so bleiben. Mit dem Niederländer Adrian Straathoff hat sich auch ein Investor gefunden, der die Anlage mit 100.000 Ferkeln wieder zu altem Glanz führen soll. Straathoff, der in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche ähnlich große Schweine-Zucht- und -Mastanlagen betreibt, ist einer der Akteure, die die Entwicklung der Agrarstruktur in Ostdeutschland „...zu den Erfolgsgeschichten des Einigungsprozesses...“ gemacht hat.

Eine Erfolgsgeschichte ist es, die dieser Film erzählen könnte. Denn Ostdeutschland mit seiner industriell geprägten Landwirtschaft sei fit für den internationalen Wettbewerb, habe die effizientesten Betriebe und habe eine Entwicklung hinter sich gebracht, die der westdeutschen Landwirtschaft noch bevorstehe. Das jedenfalls sagen unisono Vertreter der aktuellen Landwirtschaftspolitik, von der Bundeslandwirtschaftsministerin über die ostdeutschen Landesminister bis hin zum Deutschen Bauernverband.

Eine ganz andere Geschichte haben diejenigen zu erzählen, die seit der Wende versucht haben, gegen viele Widerstände bäuerliche Betriebe wieder aufzubauen, diejenigen, die zu den über 700.000 Menschen gehörten, die direkt nach der Wende ihren Arbeitsplatz in der Landwirtschaft verloren haben und heute in ländlichen, strukturschwachen Regionen leben, die völlig entkoppelt von der Landwirtschaft sind und kaum noch Perspektiven bieten. Oder die Vertreter der 120 Verbände, die am 22. Januar 2011 in Berlin mehr 22.000 Menschen mobilisiert haben, um für eine neue Agrarpolitik, weg von industriellen Großbetrieben hin zu mittelständischen bäuerlichen Landwirtschaften,  auf die Straße zu gehen.

Dieser Film zieht nach 20 Jahren eine Bilanz des Transformationsprozesses. Spricht mit den Menschen, die diesen Prozess erlebt und gestaltet haben. Geht der Frage nach, ob die Entwicklung zwangsläufig und richtig war oder – wie Kritiker behaupten – das Ergebnis einer gemeinsamen Lobbyarbeit vom Deutschen Bauernverband und der alten DDR-Agrarnomenklatura. Der Film zeigt das komplexe System der EU-Agrarsubventionen und erklärt, warum heute hauptsächlich große Betriebe davon profitieren. Konkrete Beispiele zeigen die positiven und negativen Auswirkungen auf die Menschen, Dörfer und Landstriche, in denen sich dieser Strukturwandel vollzogen hat.

Spätestens der Dioxinskandal hat – wieder einmal – gezeigt, dass das System der industriellen Landwirtschaft anfällig ist für betrügerische Manipulationen. Deshalb gibt es eine immer breitere Basis an Verbrauchern, die kritisch hinterfragen, wie Lebensmittel produziert werden und wofür jährlich Milliarden an Agrarsubventionen ausgegeben werden. Die EU steht mit der Verabschiedung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2013 vielleicht vor einer der einschneidensten Veränderungen seit der Agrarreform von 1992. Die Entscheidungen werden jetzt getroffen, die Lobbyisten der bisherigen Agrarpolitik wie die Verfechter eines grundsätzlichen Strukturwandels stehen in den Startlöchern, um die politische Willensbildung in ihrem Sinn zu beeinflussen. Die Frage, wie erfolgreich die landwirtschaftlichen Strukturen in Ostdeutschland tatsächlich sind ist auch die Frage nach dem Erfolg der bisherigen deutschen und europäischen Agrarpolitik.

Erzählt wird die Geschichte  auf zwei Ebenen. In einer Art Reisebericht durch das „landwirtschaftliche“ Mecklenburg-Vorpommern werden verschiedene Orte, Regionen und Bauernhöfe besucht. Menschen, die Entwicklungen der letztn 20 Jahre erlebt haben und/oder mit den Auswirkungen leben müssen, kommen dabei zu Wort.

Die Reise beginnt auf dem „Erlebnisbauernhof“ auf der „Grünen Woche“ in Berlin, in dem die Besucher die moderne Landwirtschaft als Streichelzoo erleben können, wird die großen Mastanlagen und leergeräumten Landschaften der industriellen Landwirtschaft zeigen, die vom Strukturwandel betroffenen Dörfer Vorpommerns besuchen und den Bogen schlagen bis zur „Arche Region“ Amt Neuhaus, wo sich im Elbvorland bäuerliche Betriebe dem Erhalt vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen verschrieben haben.

Auf der zweiten Ebene kommen in Interviews die verschiedenen politischen Protagonisten der Geschichte zu Wort. Sie werden in Berlin und Schwerin in klassischen Bürosituationen gezeigt. Ihre Positionen und Aussagen werden dann mit den Entwicklungen und realen Verhältnissen in den Regionen verglichen. So ergibt sich ein umfassendes Bild von der teilweise abstrakten politischen Sicht und den Auswirkungen dieser Politik vor Ort. Der Landschaft und dem Thema angepasst, wird diese Geschichte in ruhigen und unaufgeregten Bildern erzählt.